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| GESCHICHTE |
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"Der scharfe Bug schneidet die anstürmenden Wellen in kraftvoll unbeeindrucktem Voran. Hinter dem Heck breitet sich majestätisch eine weiße Schaumschleppe bis an den Horizont. Aus vier turmhohen Schornsteinen wirbelt dunkler Rauch nach achtern. Hochragende weiße Decks über mächtigem dunklem Rumpf, ringsum Wellen, Wind und Wolken in graustürmendem Chaos - ein Luxusliner im turbulenten Nordatlantik. Ein Übersee-Schnelldampfer auf Rekordjagd. Einer der ‘Windhunde des Ozeans’ bei der Jagd, der Jagd nach dem Blauen Band ..."
Eugene O'Neill
Bevor die moderne Luftfahrt das Zeitalter der großen, transatlantischen Luxusliner beendete, gab es tatsächlich bis in die 50er Jahre die berühmte Jagd nach der Auszeichnung für die schnellste Ost-West Passage.
Begonnen hatte es mit den ersten transatlantischen Dampfschiffen. Im Jahre 1838 fuhr die Sirius der B&A Linie in 18 Tagen und 14 Std. von Cork nach Sandy Hook, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8,03 Knoten. Allerdings war sie nur wenige Stunden unter Dampf gefahren und den meisten Teil der Strecke gesegelt. Noch im selben Jahr wurde dieser Rekord von anderen Reedereien unterboten und insbesondere die Cunard Linie schraubte die Marke in den folgenden 12 Jahren mit reinen Dampfschiffen bis auf 8 Tage und 14 Std. (12,25 Knoten) im Jahre 1850 runter.
Von 1898 bis 1903 errungen die Kaiser Wilhelm der Große und die Kronprinz Wilhelm vom Norddeutschen Llyod, sowie die Deutschland der Hapag Llyod das Blaue Band und trieben die Bestleistung auf 5 Tage und 11 Stunden (23,15 Knoten) hoch. Im Jahre 1936 schaffte die Queen Mary der Cunard-White Star Reederei, mit 80 774 Bruttoregistertonnen das größte Schiff, das je das Blaue Band erhielt, die Passage in 4 Tagen und 27min. (30,14 Knoten).
Der Wettbewerb um die schnellste Atlantikverbindung war nicht nur sportlich und patriotisch geprägt, sondern ganz wesentlich auch ökonomisch orientiert. Die schnellsten Linienschiffe bekamen die lukrativsten Post- und Frachtaufträge. Tatsache ist auch, daß alle Reedereien von Beginn der Dampfschiffahrt an auf staatliche Subventionen für den Bau der großen Schiffe angewiesen waren. Auch die Vergabe dieser Gelder war an Größe und Geschwindigkeit gebunden, denn diese Schiffe sollten im Kriegsfall als überlegene Transportschiffe durch die Marine genutzt werden können.
Als um die Jahrhundertwende eine Überfahrt durchschnittlich 5-8 Tage dauerte, waren betriebstechnische Grenzen erreicht. Die Mehrkosten einer geringfügig schnelleren Rekordfahrt waren wesentlich größer als die resultierenden Mehreinnahmen im Fracht- und Posttransport. Der Kohleverbrauch stieg ins Unermeßliche und die Vibrationen der gigantischen Maschinen waren bei Vollast eine unerträgliche Qual für die Passagiere. Die Reedereien begannen nun im Wettbewerb um Anteile im immer lukrativeren Passagiergeschäft durch immer mehr und immer komfortabelere Kabinen, die Qualität der Reise über die reine Geschwindigkeit zu stellen. In der 1. Klasse führte dies zur Kreation von Luxuskabinen und Aufenthaltsräumen, die unerreichte und einzigartige Erlebniswelten darstellten. Heutige Kreuzfahrtschiffe gehen auf den Erfolg dieser besonderen Erlebniswelten zurück.
Offiziell beteiligten sich die großen Reedereien aus England, Deutschland, Italien, Frankreich und den USA nie an dem informellen Wettbewerb. "Sicherheit geht vor!", lautete die veröffentlichte Geschäftsphilosophie. Allerdings lehnten sie es nie ab, wenn die nationalen Medien voller Stolz einen neuen Rekord vermelden konnten. Das Blaue Band war auch Symbol für Stärke und Fortschritt einer ganzen Nation.
Offiziell gab es, erstaunlicher Weise, auch gar kein Blaues Band. Die Trophae war ein reines Medienspektakel, ein Attribut das zunächst amerikanische und britische Journalisten um die Jahrhundertwende, dem Schiff verliehen, das im täglichen Verkehr zwischen der alten und neuen Welt eine neue Bestzeit aufstellte. So gut wie kein sogenannter Preisträger hat je wirklich ein Blaues Band geflaggt.
Erst 1935 stiffte der britische Parlamentabgeornete Harold K. Hales eine entsprechende Statuette, die North Atlantic Blue Riband Challenge Trophy. Vermutlich geht die Idee der Auszeichnung mit einem blauen Band zurück auf einen blauen Wimpel, der im 18. Jahrhundert den schnellsten Wollklippern auf dem Wege von Australien nach England verliehen wurde. In anderen Sportarten, wie dem Pferdesport, werden traditionell blaue Schleifen für die Sieger verliehen. Auch der höchste Orden Englands, der Hosenbandorden, der seit dem 15. Jahrhundert vergeben wurde, wird ebenfalls an einer blauen Samtschleife getragen.
Der Mythos des Blauen Band ist eng verbunden mit der Aera der großen europäischen Auswanderung in die Neue Welt zur Zeit der Jahrhundertwende. 1910 buchten 1 Mio. Menschen eine Passage in den berüchtigten Zwischendecks bzw. den sagenhaften Luxuskabinen der Ozeandampfer.
Tragischer Höhepunkt dieser Entwicklung war 1912 die Jungfernfahrt des größten Passagierschiffs aller Zeiten, das auf Rekordjagd im Nordatlantik mit über 4.000 Passagieren sank, die legendäre Titanic. Noch heute kann man die Großartigkeit dieser ersten industriellen Epoche in Liverpool, dem Heimathafen der allermeisten Rekordschiffe, aufspüren. Dort steht das im gleichen Stil, als das zu seiner Zeit beste Hotel der Welt erbaute, Britannica, das den Luxusgästen der Titanic ein ebenso prunkvolles Quartier an Land anbieten sollte.
Auf diesen legendären Luxuslinern wurde auf der stürmischen, unwirtlichen Route über den Nordatlantik eine Atmosphäre der Ruhe, Entspannung und gelassenen Unterhaltung geschaffen, zu der feinste kulinarische Genüße angeboten wurden.
Dieses Lebensgefühl der Gelassenheit und des Genusses mitten im unbeeindruckten Voran ist das Leitmotiv des Restaurant Blaues Band im Szeneviertel am Hackeschen Markt in Berlin Mitte.
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